Montag, 29. September 2014

Bei meinAnzeiger.de gibt es diesen Artikel über eine Transselbsthilfegruppe, aber irgendwie kauf ich denen nicht ab, dass sie das mit der transpositiven Haltung ernst meinen.


Im falschen Körper: Selbsthilfegruppe für Transsexuelle widmet sich such betroffenen Kindern


http://www.meinanzeiger.de/erfurt/ratgeber/im-falschen-koerper-selbsthilfegruppe-fuer-transsexuelle-widmet-sich-such-betroffenen-kindern-d43620.html

Leider gibt es dazu einiges zu beanstanden.


Liebes meinAnzeiger.de-Team!


Hättet Ihr Eure Hausaufgaben gemacht, würdet Ihr nicht längst widerlegten Blödsinn aus den Prä70ern reproduzieren und ich könnte mir diesen Blogpost sparen.

Ich hab Euch mal aufgelistet, was ihr unter "Wissenswertes über Transsexualität" alles an Falschinformationen geschrieben habt:

"Transsexuelle sind Menschen, die sich aufgrund ihrer inneren Eigenschaften dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen. Oft treten diese Gefühle bereits in der Kindheit auf."

Es sind keine Gefühle. Es handelt sich dabei um die angeborene Geschlechtsidentität.
Diese ist im Gegensatz zu Gefühlen unveränderlich.

"In der Regel möchte ein transsexueller Mensch sein äußeres Erscheinungsbild seiner inneren Einstellung anpassen."

Es ist auch keine "innere Einstellung", siehe oben.

"Medizinisch gesehen ist Transsexualität eine Störung der Geschlechtsidentität"

Seit den 70ern widerlegter transfeindlicher Nonsens.
Die Geschlechtsidentität von Transmenschen ist nicht gestört, der Körper weicht von ihr ab.
Letzteres ist eine medizinische Diagnose, ersteres eine zu Unrecht unterstellte Geisteskrankheit, die nicht gegeben ist.
Und kommt mir bitte nicht mit namen wie Friedemann Pfäfflin oder Sophinette Becker et al.
Wer soetwas behauptet, irrt oder leugnet den aktuellen Stand der Wissenschaft.

"und gilt international als Krankheit."

...aber nur unter jenen, die ihre Hausaufgaben nicht machen, oder aufgrund von Vorurteilen und Realitätsverleugnung weiterhin solchen Unsinn glauben. Siehe Friedemann Pfäfflin, Sophinette Becker et al.

"Betroffene sehen sich selbst nicht als krank, sondern als 'anders' an."

Unzulässige Verallgemeinerung. In der tat sind Transmenschen nicht krank, aber dieses "anders" ist mir so nur selten begegnet.

"Wer sich im falschen Körper geboren fühlt, wird von der Medizin nicht allein gelassen."

Dafür gibt es in der Tat gute Therapien, die verhindern/dagegen helfen, dass solche Menschen sich für transsexuell halten und irrtümlich eine Geschlechtsangleichung machen.
Mit Transmenschen hat das allerdings nichts zu tun, außer dass sie wegen solcher Menschen zusätzliche Steine in den Weg gelegt bekommen, weil der Gesetzgeber beides in einen Topf schmeisst.

"Drei Viertel der Operationen in Deutschland machen aus Männern Frauen."

Man kann keine "Frauen aus Männern machen", das ist medizinisch gesehen salopp gesagt Blödsinn.
Man kann jedoch den Körper von Transmenschen dahingehend angleichen, dass er nicht mehr (so stark) von deren angeborenen Geschlechtsidentität abweicht.

"Frauen, die Männer werden wollen, müssen mehr und kompliziertere Operationen in Kauf nehmen als umgekehrt."

"Frauen, die Männer WERDEN wollen", brauchen die oben erwähnte Therapie.
Transmänner SIND Männer und müssen es nicht erst werden und umgekehrt.


Indem Ihr unreflektiert diese anachronistischen Vorurteile reproduziert, helft Ihr Transmenschen nicht, sondern macht ihre Situation noch schlimmer.

Gezeichnet:

Eine fazialpalmierende Transfrau.

P.S.: Nein, ich habe kein Interesse daran, mich bei Euch zu registrieren, deswegen gab's die Standpauke eben auf diesem Weg.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen