Mittwoch, 19. Juni 2013

AG Transrecht wants YOU!

Nachdem der AG Transrecht noch immer vor allem Humanpower fehlt und alle bisherigen Aufrufe nichts gebracht haben, habe ich gerade in einem Anfall präseniler Bettflucht eine kleine Rede geschrieben (Kapitalschrift zur Betonungsnotation), die ich fürderhin auf jedem für mich erreichbaren Parteitag halten werde, BIS ES FRUCHTET (#ORRR):

Hallo Basis.

Ein paar von Euch kennen mich schon und verdrehen grade genervt die Augen.
„Schon wieder ein Parteitag, auf dem die olle Kate diesen Shabbes salbadert.“
Ganz ehrlich? Ihr seid noch nicht genug genervt von mir, sonst wäre ich nicht hier.
Und ich werde weiter nervig sein, BIS. MEINE. BOTSCHAFT. ANGEKOMMEN. IST.

Lasst mich Euch ein bisschen über mich erzählen, damit Ihr versteht, warum ich heute hier zu Euch spreche:
Ich bin Katrina Reichert, Mitbegründerin und Koordinatorin der Arbeitsgruppe Transsexualität und Menschenrecht, kurz AG Transrecht, deren Aufgabe es ist, die Missstände zu bekämpfen, die uns Transmenschen hier in Deutschland das Leben zur Hölle machen.
Denn was Transmenschen in Deutschland erdulden müssen IST eine Hölle, lasst Euch von NIEMANDEM etwas anderes erzählen.

Meine Psyche ist – bildlich gesprochen - kaum mehr als ein brennendes Wrack, das – obwohl es jeden Moment auseinanderbrechen könnte – aus allen Rohren weiterfeuert, mit ungebrochenem Kampfeswillen.
Und auch wenn es womöglich übertrieben klingt, ist „jeden Moment auseinanderbrechen“ absolut wortwörtlich gemeint.

Mir ist schon seit einer ganzen Weile bewusst, dass ich den Kampf gegen meine Depression längst verloren habe; ich schleppe mich nur noch von Tag zu Tag in dem sicheren Wissen, dass jeder davon mein letzter sein könnte.

Zeit und Statistik arbeiten dabei Hand in Hand gegen mich, allein durch meine Transgeschlechtlichkeit ist meine Suizidwahrscheinlichkeit mehr als ein DUTZEND Mal höher als die anderer Menschen und nichts als reine Sturheit ist der Grund, warum ich nicht schon seit Jahren Humus bin.

Die AG Transrecht habe ich aber nicht gegründet, um mein eigenes Leben zu verbessern oder gar zu retten; das hätte gar keinen Sinn mehr und ich verabscheue Verschwendung.

Stattdessen habe ich die AG gegründet, weil ich – wenn ich schon nicht glücklich leben kann – wenigstens nicht sinnlos gelebt haben möchte.
Weil ich etwas von Wert hinterlassen möchte.
Ein Vermächtnis, wenn Ihr so wollt.

Klar, ich könnte mich auch einfach hinsetzen und den Rest meiner Tage ganz egoistisch mitnehmen, was ich kriegen kann, aber das ist nicht mein Weg.

Wenn ich schon nicht im Stande bin, mein eigenes Leben lebenswert zu machen, so hoffe ich, zumindest das Leben anderer zu verbessern und den Transmenschen, die nach mir kommen, den Weg zu ebnen, damit wir irgendwann einmal in einer Welt leben, in der Menschen nicht mehr ob ihres Geschlechts diskriminiert werden.

Das ist salopp gesagt ein ziemlicher ARSCH vor ARBEIT, das dürft Ihr mir gerne glauben; es gibt noch VIEL zu tun.

Und genau DAS ist das Problem.



Wie ich bereits sagte, ist transgeschlechtliches Leben in Deutschland die Hölle.

Die Menschen verachten uns, die Medien diffamieren uns, Ärzte und Staat erklären uns trotz vielfachen Gegenbeweises für geistesgestört, letzterer tut dies sogar per Gesetz.

Die Ärzte sprechen von „Geschlechtsidentitätsstörung“, obwohl bei den meisten Transmenschen die Geschlechtsidentität der Teil ist, der mit ABSTAND am allerwenigsten gestört ist.
Und der Staat spricht von „Männern, die GLAUBEN Frauen zu sein“ und umgekehrt, was auch nur eine nette Umschreibung ist für „die sind ja VÖLLIG meschugge“.

Da verwundert es nicht, dass das sogenannte „Transsexuellengesetz“ - schon der Name ist streng genommen eine Diffamierung – besagt, dass wir uns von einem Richter, mindestens zwei - in aller Regel selbst zu bezahlenden - Gutachtern und einem Vertreter des öffentlichen Interesses vorschreiben lassen müssen, welches Geschlecht wir zu haben haben.
Dass nach aktuellem Stand der Wissenschaft der EINZIGE Mensch, der das Geschlecht eines Menschen rechtens bestimmen darf, dieser Mensch selbst ist, spielt keine Rolle; wir werden – welch bittere Ironie – zu unserem eigenen Schutz entmündigt.

Ich könnte das noch lange fortsetzen, denn was ich bisher an Missständen aufgezählt habe, ist nur die Spitze des Eisbergs.

Es gibt SEHR viel zu tun.

Und obwohl allermeisten bei den Piraten, mit denen ich über dieses Thema gesprochen habe, die AG Transrecht für wichtig und notwendig halten – und damit komme ich zum Ende und zum Grund dieser Rede – zeichnen sich unsere Mumblesitzungen vor allem durch Leere aus und die frustrierten Stoßseufzer der drei verbliebenen Mitglieder, die – Ihr seht es an meinem Beispiel – einfach nicht die KAPAZITÄTEN haben, um die Arbeit alleine zu bewältigen.

WIR. BRAUCHEN. MEHR. HUMANPOWER.

Wenn Euch das Thema interessiert, wenn ihr Euch eingesteht, dass Ihr zu wenig über Transgeschlechtlichkeit wisst – und das dürfte selbst hier unter Piraten auf die allermeisten zutreffen, wenn Ihr Euch informieren, Euch einbringen wollt oder wenn ihr einfach nur Rat sucht, dann kommt zu uns.

Macht mit, beteiligt Euch, bringt Euren Input, Eure Ideen und Euren Kampfesmut mit und lasst uns diese Welt verändern.

Transgeschlechtlichkeit mag ein Minderheitenproblem sein, gewiss, aber muss sich eine zivilisierte Gesellschaft nicht gerade daran messen lassen, wie sie mit ihren Minderheiten umgeht?

Lasst mich daher schließen mit einem kleinen Zitat:

Vor rund 2000 Jahren soll ein Mann gelebt haben, der sinngemäß folgenden wichtigen Kernsatz gesagt haben soll:

„Ey jetzt mal seriöslich Leute; die Welt könnte echt voll TÖFTE sein, wenn alle zur Abwechslung mal NETT zueinander wären.“

In diesem Sinne bitte ich Euch inständig: Kommt an jedem ersten und dritten Montag um 2000h in unsere Mumblesitzung und helft uns dafür zu streiten, dass diese Welt auch zu UNS netter wird.
Gebt mir die Chance, ein Vermächtnis zu hinterlassen, für das ich mich nicht schämen muss, wenn meine Zeit gekommen ist.

Ich Danke Euch.

Das war jetzt aus einem Guss dahin geklatscht, ich bin froh, dass ich so viel Text durch meine Schreibblockade durchDRESCHEN konnte.
Für konstruktive Kritik bin ich jederzeit gerne zu haben.