Montag, 24. Dezember 2012

"Menschen die von Natur aus einen Penis haben sind keine Frauen. "

"Menschen die von Natur aus einen Penis haben sind keine Frauen.
(Aber wer sich selbst verleugnen will, darf das von mir aus gerne tun) ;)"
(Zitat @MarcusDMueller, https://twitter.com/MarcusDMueller/status/283250952683798532)

Ein Satz, dem Anschein nach einfach so dahingetwittert und doch sind darin gleichsam zwei Unterstellungen enthalten, die so nicht stehen bleiben dürfen.

Fangen wir mit der ersten an:
*an sich runtergucks* Mhm... 6cm über dem europäischen Durchschnitt... wenn Marcus recht hätte, wäre ich ein Mann, aber dieser Tage würden das selbst meine Feinde bestreiten.

Einige kennen mich ja schon.

Ich bin Katrina. Eine transsexuelle Frau (eine Frau gefangen im Körper eines Mannes).
Ich HABE einen Penis und doch bestehe ich darauf, dass ich eine Frau bin.

Ich bin genauso eine Frau wie die rund 3,5Mrd. anderen Frauen auf dieser Welt, nur dass ich
- so wie ein paar Millionen Leidensgenossinnen - den falschen Körper bekommen habe.
Ich will jetzt nicht auf diesen Klischees rumreiten (Mädchen: Puppe, Junge: Märklineisenbahn),
auch wenn sie in meiner Kindheit noch sehr viel selbstverständlicher und unhinterfragter waren.
Ich habe grad auch wenig Lust auf die biologische Herleitung
(wir - sprich: die Menschheit - sind eh noch nicht so weit, dass wir die sich stellenden Fragen wirklich beantworten könnten).

Daher machen wir jetzt das mit den piratigen Werten.

"Die Würde des Menschen ist unantastbar." (Artikel 1, Absatz 1, Satz 1 Grundgesetz)

Damit eine Menschin in Würde ihr Leben bestreiten kann, muss man ihr oder ihm Mündigkeit zuerkennen.
Mündigkeit ist das Recht, für sich selbst zu entscheiden, sich selbst zu positionieren und darin anerkannt und respektiert zu werden.

Wenn wir Würde und Mündigkeit vorraussetzen, kann doch nur ein Mensch genau sagen, welches Geschlecht ein Mensch hat:
dieser Mensch selbst.

Wenn also ein Mensch im Körper eines Mannes sagt: "Ich bin eine Frau.", dann macht diese Frau von ihrer Mündigkeit Gebrauch und positioniert sich.
Zugegeben, entgegen gewohnter Rollen- und Geschlechterklischees, aber das gibt anderen nicht das Recht, dies zu despektieren.

*Kurze Gedankenpause*

Für "Euch" nicht-transsexuelle Menschen ist das alles so selbstverständlich.

"Klar bin ich ein Mann, und?"
"Natürlich bin ich ne Frau, was soll die Frage?"
Uns wird das verweigert.

"Tunte im Rock" gehört da eindeutig noch zu den harmloseren Schmähungen,
die ihr Cismenschen (fachchinesisch für "nicht transsexuell") über uns ergießt.

Aber sind nicht auch wir eine Teilmenge von "des Menschen"?
Ist nicht auch unsere Würde unantastbar?

Moralische Antwort: "Aber selbstverständlich! Gleiches Recht für alle!"
Realistische Antwort: "Äh nö. Nicht in dieser Bundesrepublik Deutschland."


Nur dass das mal klar ist: Gemessen an dem Irrsinn, der in diesem Land abgeht, ist für uns Transmenschen "Mensch zweiter Klasse" noch eine Beförderung.

Uns werden die Grundrechte beschnitten und entzogen.
Wir müssen uns (von Gesetzes Wegen!) von einem Richter, zwei Gutachtern, einem Vertreter des öffentlichen Interesses und etlichen Therapeuten erst jahrelang Infragestellungen unserer ureigensten Identität, Zweifel an
unserer geistigen Gesundheit und viel zu oft Fälle von #ichhabnichtangezeigt gefallen lassen,
ehe diese Mischpoke darüber entscheiden darf, ob wir nun Männlein oder Weiblein zu sein haben.
Was wir in Wirklichkeit sind? Für solche Details hat die Deutsche Justiz (TM) nur in Ausnahmefällen Zeit.


Und dann kommen Menschen, die da sagen: "Menschen die von Natur aus einen Penis haben sind keine Frauen."

Woher nimmst Du Dir das Recht, ein solches Urteil über uns zu fällen?
Wie würdest Du Dich fühlen, wenn es umgekehrt wäre?

Und nun die ultimative, alles widerlegende Grundsatzfrage:

Wie kannst Du einerseits piratige Werte (die Mündigkeit des Menschen #undso) hochhalten,
(was ich Dir als Pirat mal wohlwollend unterstelle *g*)
aber im selben Zug Menschen wir mir diese selbstverständlichen Rechte absprechen?



"Ich bin eine Frau, nicht obwohl, sondern unabhängig davon, dass oder ob ich einen Penis habe."

Und wenn Du wirklich glaubst, dass alle Menschen frei und gleich an Rechten und Würde geboren sind,
dann hast Du nicht das Recht, diese Aussage in Zweifel zu ziehen.
Oder die entsprechenden Aussagen aller anderen Transmenschen.
Wir sind Frauen, die von Natur aus einen Penis haben,
bzw. Männer, die von Natur aus eine Vagina haben.
Wir sind da, wir sind echt, wir sind was wir sind.
Damit bist Du widerlegt. #qed



Nun kommen wir zu Unterstellung Nr.2:
"(Aber wer sich selbst verleugnen will, darf das von mir aus gerne tun)"


Mit diesem Satz unterstellst Du, dass wir Transmenschen uns unsere Transsexualität nur einreden.

Tatsächlich gibt es sehr seltene Fälle, in denen ein Mensch nur glaubt, im falschen Körper zu stecken.
Das ist zumeist auf Traumata und/oder andere psychopathologische Ursachen zurückzuführen und beruht soweit mir bekannt
auf der Hoffnung, dass nach einem "Reset" und einem Neubeginn im anderen Geschlecht "alles besser" wird.

Ja es gibt solche Fälle. Aber sie sind - pardon - scheisse selten.

Die Transsexualitätshäufigkeit liegt (quellenabhängig) bei ca 1:1000 bis 1:100 plus Dunkelziffer.
Und wenn unter 100 Transmenschen einer ist, der/die sich die Transsexualität nur einbildet, dann ist das viel. Verflucht viel.

Niemand, der noch halbwegs dicht im Kopf ist, wird sich freiwillig dem medizinischen und juristischen Spießrutenlauf aussetzen,
der jedem Transmenschen im Zuge einer Geschlechtsangleichung ins Haus steht.
Niemand wird sich diesem Psychoterror (mit dem Staat, Behörden, Ärzte und all die Menschen um einen herum einen abstrafen,
wenn mensch es wagt, nicht der "Norm" zu entsprechen) freiwillig aussetzen, es sei denn, der Leidensdruck ist so derartig
abartig groß, dass Psychoterror, Entmündigung und Demütigung dagegen erträglich erscheinen.

Bei Transsexuellen ist das der Fall. Der Konflikt zwischen einem Körper und einer Seele, die nicht miteinander kompatibel sind,
ist von derart schwerem psychischen Leid geprägt, dass die Seele daran leicht zerbrechen kann (Stichwort: Depression).
Es hat schon seinen Grund, warum die prozentuale Suizidversuchsquote von Transmenschen sechsmal
und die Suiziderfolgsquote von Transmenschen immerhin noch viermal höher ist, als beim Durchschnitt.

Und selbst die von uns, die den einzigen Ausweg, die Geschlechtsangleichung, tatsächlich in Anriff nehmen,
sind auf diesem Weg dem besagten Terror ausgesetzt, woran ebenfalls nicht wenige zerbrechen.
Wir haben also allen Grund, uns verdammt sicher zu sein, ehe wir diesen Weg einschlagen.



Nur um das klar zu stellen:
Wir Transmenschen sind auch Menschen.
Auch wir machen Fehler.

Aber nicht diesen.

Denn wie sollen wir wissen, wohin wir unsere Schritte gehen sollen, wenn wir die Richtung nicht kennen?
Folglich ist der erste Schritt auf dem Weg der Geschlechtsangleichung die Selbsterkenntnis.
...die der Selbstverleugnung diametral entgegensteht. (#qed)



Wir halten also fest:
Auch wenn ich grade nen echt anstrengenden Weihnachtsabend mit meiner Family hatte,
die sich SEHR schwer damit tut, mich als Frau zu akzeptieren,
auch wenn ich deswegen grade völlig im Eimer und argumentativ alles, aber nicht auf der Höhe bin,
sollte es mir dennoch gelungen sein, aufzuzeigen, dass Transfrauen auch Frauen sind.
Nur eben Frauen, die von Natur aus einen Penis haben (oder hatten).

Und jedermensch, der uns die Existenz, das Recht au Existenz oder das sichere und unbeirrbare Wissen um unser Geschlecht abspricht,
tritt unsere Würde mit Füßen, verweigert uns das Recht auf Mündigkeit und spuckt damit auf das Grundgesetz.










Disclaimer: Zu Marcus' Ehrenrettung sei folgendes Zitat angefügt:

https://twitter.com/MarcusDMueller/status/283260282720096256

Ich verstehe nicht, warum ausgerechnet Marcus ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt ausgerechnet mit dieser Methode was eigentlich genau? zu erreichen versucht hat,
aber ich gehe mittlerweile in dubio pro reo davon aus, dass er es - vermutlich - nicht ernsthaft abfällig gemeint hat.
Sollte ich mich darin irren, gibts natürlich nen Satz rote Ohren ;-)

Sonntag, 10. Juni 2012

Rechenschaftsbericht

"Willst Du mit mir Wahlkampf machen?" - "Tut mir leid, der Wahlkampf ist vorbei."

Nach einer 2,5-monatigen Amtszeit als @Snowyflausch s Lebensabschnittsgefährtin lege ich hiermit zu meiner Entlastung meinen Rechenschaftsbericht ab.

Das zu tun fällt mir sehr schwer, denn indem und während ich das mache, ist es mir zugleich höchste Erschwernis, mich davon abzuhalten fazialpalmierend an der Tischplatte zu kauen angesichts derart schlampig ausgedachter Vorwürfe, wie ich sie jüngst wider mich zur Kenntnis zu nehmen hatte (http://keinverlag.de/texte.php?text=326887) und die ich hiermit widerlege, was nur deswegen problematisch ist, weil ich immer noch mit höchster Asthmaaffinität nahe der Hyperventilation am Giggeln bin.

"Du hast nach knapp 24h Beziehung mit einer meiner damals besten Freundin geschlafen."
- Stimmt (waren aber 48 Stunden). Nachdem Du uns Dein höchstes Vertrauen ausgesprochen und uns fast schon dazu genötigt hattest. (Was bitte bringt mir eine Carte Blance, wenn ich dafür Ärger bekomme, dass ich sie auf Aufforderung hin benutze?)


"Du hättest mit einer andren geschlafen, wenn sie nicht momentan auch in einer Beziehung gewesen wäre."
- Ich hatte es ihr versprochen, Monate bevor wir zusammen kamen und ich hatte Dich zuvor um Erlaubnis gefragt !und sie erhalten!.


"Und verdammt, du hättest mit anderen Weibern geschlafen, hätte ich nicht absolut dagegen gesprochen."
- Und DU hättest auf's liquideste daran partizipiert, wenn Du nicht so verklemmt und durch eine völlig überbewertete Monogamie indoktriniert wärest. Dass Du es wolltest ist nicht nur mir aufgefallen.

"Du warst mit von der ersten Sekunde nicht treu und DIR heule ich nach?"
- Wer wird denn gleich so dreckig lügen? Ich hatte in unserer Beziehung nur mit einer anderen Sex und das, nachdem Du es erlaubt und uns ermutigt hattest. Mit anderen Mädels rumgeknutscht hab ich. Zugegeben. Während Du dabei warst und fleiszig mitgeschlabbert hast.


"Ich könnte wetten, du hattest diese Nacht Sex."
- Du hättest Geld wetten sollen. Nach Deiner ans Krankhafte grenzenden Eifersucht war Sex ohne Verpflichtung echt wie Urlaub auf Risa.
*stellt den Horga'hn wieder ins Regal*


"Aber dir ist die Trennung ja so schwer gefallen."
- Ist sie. Nur dass ich nach einem Leben voller Krieg pragmatisch genug bin, um mich nicht von einem Treueversprechen, an das ich nicht mehr gebunden bin, aufhalten zu lassen, wenn das Schicksal mal nett zu mir ist.


"Heuchlerin."
- Nur eine von uns kann behaupten, in unserer Beziehung nie gelogen und immer wahr gesprochen zu haben. Protipp: DU bist's nicht.


"Solangsam beschleicht mich der Verdacht, dass diese Beziehung von deiner Seite aus nie ernst gemeint war."
- Die Spur ist so kalt, dass sie die Klimaerwärmung aufhalten könnte, Constable Obvious. Wäre dem so, hätte ich schon vor vier Wochen Schluss gemacht. Gründe gab es genug.


"Ich dachte, wir wollten ehrlich zueinander sein."
- Dachte ich auch, aber Dir ist es scheinbar nie so recht gelungen. Schade.


"Das einzige, was ich war, ist naiv."
- Bist Du noch immer. Naiv genug jedenfalls, um Deine anderen Probleme, bei deren Lösung Du mich nicht helfen lieszest, einfach unter den Teppich zu kehren.


"Weil ich dir blind vertraut habe."
- Hättest Du mir vertraut, wären wir vermutlich noch zusammen.


"Es wird Zeit, dass ich mein Leben ohne dich lebe."
- Ist ja nicht so, dass Du da eine Wahl hättest...


"Denn du bist nicht eine Träne der letzten Tage wert gewesen."
- Du musst wissen, was Dir Deine Tränen wert sind., so wie ich weis, was Deine Vorwürfe wert sind.

Denn ich habe mir nichts vorzuwerfen (enim veritas me absolvo) und beende hiermit meinen Bericht.
Wer auch immer mir nachfolgt, ich wünsche Euch Glück. Ich fürchte, ihr werdet es brauchen.


P.S. ich krieg noch 20€ von Dir, der letzte "Tee" indes geht auf's Haus.

Dienstag, 24. April 2012

ACTA und Demokratie - #nurmalso

Heute beim Frühstück bin ich via Twitter auf diesen Link gestoßen:
http://projekturheberrecht.wordpress.com

Nachdem ich dann den Kaffee wieder aufgewischt hatte, brannte es mir auf den Fingern,
eine Kleinigkeit zum Thema zu kommentieren, die so einfach nicht stehen bleiben konnte:



Sososo... wenn tausende - korrigiere - HUNDERTtausende europaweit auf die Strasse gehen und ihre Meinung sagen, dann ist das also undemokratisch.

Oder liegt es einfach nur daran, dass Ihr nicht darauf klar kommt, dass eine halbe Million Menschen ACTA einfach scheiße findet? Und zwar aus gutem Grund?


WACHT MAL AUF!

Es geht doch schon lange nicht mehr "nur" um kostenlose Downloads
(die übrigens erwiesenermaßen kostenlose Werbung sind und somit den Künstlern weit mehr nutzen als schaden), sondern auch um andere Bereiche.
Wusstet Ihr, dass ACTA dafür sorgen würde, dass Millionen Menschen lebensnotwendige Medizin vorenthalten würde, sollte ACTA ratifiziert werden?
In zahllosen Ländern kann man sich nämlich die Preise nicht leisten, die die Erste-Welt-Pharmakonzerne für ihre Originalmedikamente verlangen, notgedrungen wird daher dann auf Plagiate zurückgegriffen. Aber ich wollte ja nichts darüber sagen, dass ACTA Menschen tötet (das haben schon genug andere getan), mir ging es ja um die Demokratie.

Also. Nochmal zum Mitschreiben:
Demokratie (griechisch Δημοκρατία, von δῆμος [dēmos], „Volk“, und κρατία [kratía], „Herrschaft“, vgl. -kratie; wörtlich: Herrschaft des Volkes)[1]

Soll heißen:
Wenn Menschen auf die Straße gehen und ihre Meinung sagen, um somit den Regierungen zu sagen:
"Was Ihr da tut, gefällt uns nicht!",
dann ist das die Quintessenz der Demokratie und nicht ihr Untergang.


Macht doch einfach die Mittlere Reife nach und nutzt Politik&Wissenschaft nicht zum Schlafen, dann kann Eurem Wissensdefizit in Sachen Demokratie eventuell abgeholfen werden.


Katrina Reichert

[1] Quelle: Internet (War'n Scherz^^)

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Demokratie


Samstag, 17. März 2012

Transsexualität und Medien, von Missverständnissen und Affekthandlungen

ein offener Brief an @Dorobaer

Hallo @Dorobaer,

wie viele andere habe ich per Stream die zweite Netzkonferenz der CSU mitverfolgt, habe die dort vertretenen Meinungen vernommen und meine eigene weiterentwickelt.
Bis zu dem Punkt, an dem Du sagtest:

"Kommen wir nun zu dem Mann, der eigentlich eine Frau sein wollte."

Du bezogst das eigentlich darauf, dass Du eine Frau aufgerufen hattest und ein Mann statt ihrer ans Mikrophon trat.

Bei mir indes blieb für einen ewig kurzen Moment die Zeit stehen, der Puls begann zu rasen, das Blut zu kochen und ohne nachzudenken schrieb ich auf Twitter:

"[Wortzitat] Unüberlegtes Transenbashing aufdem #csunk2? Kann jemand dieser Schlampe das Maul stopfen?"

Was war da geschehen?

Was führte dazu, dass ich entgegen meiner sonst so überlegten Wortwahl Niveau und Benimm fahren und mich derartig gehen ließ?


Die Situation transsexueller Menschen in Deutschland ist angespannt, um es milde auszudrücken. Von den Menschen gemieden, von den Medien verspottetund von Staatsmachts Wegen zu menschenunwürdigster Demütigung gezwungen existieren unsere Menschenrechte nur auf extrem geduldigem Papier und unsere Menschenwürde ist nur ein Konjunktiv. In Deutschland leben ist - da gibt es nichts zu beschönigen - für Transsexuelle in aller Regel eine Folter, die ich meinem ärgsten Feind nicht zumutenwürde.

Als Menschenrechtspolitikerin mit Schwerpunkt auf den Belangen Transsexueller und als unmittelbar Betroffene mit einer ungewöhnlich Widernisreichen Vita istmir dieses Leid erheblich näher als mensch zunächst vermuten würde und so liegen gerade in letzter Zeit - erst recht bedingt durch den unerwarteten Wahlkampf in NRW - bei mir zahllose Nerven blank.

Nur so kann ich mir meine verbale Entgleisung erklären.

Dessen ungeachtet rechtfertigt das nichts.
Selbst die Rechtschaffenheit meiner Empörung angesichts einer vermeintlichen Geringschätzung Transsexuellergab mir nicht das Recht, Dichauf solch persönlicher Ebene anzugreifen.

Daher möchte ich Dich abermals - dieses Mal in angemessenerer Form als per Twitter - um Entschuldigung bitten und mein bei meiner Twitterentschuldigung formuliertes Anliegen bestärken:

Lass uns in einen offenen, sachlichen Dialog treten, um die Politik für die Probleme Transsexueller zu sensibilisieren und die Betroffenen - so auch mich - gegen Missverständnisse wie das gestrige zu desensibilisieren, um somit fürderhin ein harmonischeres Zusammenleben für uns alle zu ermöglichen, sonder unangemessener Verletzung einzelner oder von Minderheiten.

Ferner lade ich Dich herzlich ein, diesen Dialog durch eine direkte Antwort hier zu beginnen.

In Hoffnung auf einen Konsens

Mit freundlichen Grüßen



Katrina Reichert

Sonntag, 26. Februar 2012

Die Mär vom Klarnamen

Ganz offenscheinlich ist die Landesmitgliederversammlung der Piraten in Berlin gerade dabei über eine "Klarnamenspflicht" abzustimmen (während ich das hier schreibe, haben sie zum Glück dagegen gestimmt, aber das ist kein Grund, diesen Post nicht zu beenden).
Wie genau und in welchem Zusammenhang weiß kaum einer, ich werde es die Tage vermutlich in der Timeline von @muschileaks lesen.

Aber schauen wir uns doch mal an, was eine Klarnamenspflicht denn nun genau bedeutet.

Einige werden sicher sagen: "Klarnamen sind doch toll, da muss jeder zu dem stehen, was er tut."
Klingt prinzipiell doch gar nicht mal übel, oder?
Aber dann fragen wir uns doch mal, warum es geheime Wahlen gibt.
Genau! Damit man nicht weiß, wer wen oder was gewählt hat.
Um Repressionen zu vermeiden.

"Du Arsch hast den XY gewählt, dafür gibt's was auf die Kauleiste!" "Ach, Sie sind also für die Aufhebung der Vorratsdatenspeicherung?" ...und schwupps ist die Demokratie am Arsch.

Niemand wird sich mehr trauen, eine Meinung zu vertreten, die NICHT mit dem Mainstream konform geht. Aus Angst vor Unterdrückung wird jedermensch die Massen"meinung" nachplappern und mir-nichts-Dir-nichts sind wir alle wunderbar gleichgeschaltet. Doppelplusgut, nicht wahr?

Dabei bin ich noch gar nicht fertig.

Wenden wir uns einen Moment lang von Demokratieerfordernissen ab und fragen uns, warum jemand etwas unter Pseudonym (ich bevorzuge eher den Begriff "Autonym", selbst gegebener Name, bezeichnenderweise verlinkt Wikipedia völlig an der Realität vorbei von Autonym zu Xenonym) veröffentlichen wollen könnte, warum also jemand etwas sagen wollen könnte, ohne dabei seine Identität auf dem Silbertablett vor sich her zu tragen:

- Homo-, Trans- und Intersexuelle, die für ihre Rechte kämpfen,
- Vergewaltigungsopfer, die online Hilfe suchen und sich zu sehr schämen, um sich zu outen,
- Scientologygegner (mit Anonymous als Paradebeispiel)

Nur um einige zu nennen. Na? Was gemerkt?

Wer schonmal einen Schlägertrupp der NPD vor der Tür stehen hatte, weil er im Netz gegen rechtes Gedankengut protestiert und sich dummerweise an die in Deutschland bestehende Impressumspflicht gehalten hat, wird bestimmt verstehen, was ich meine.

Aber schauen wir uns doch mal dieses Konzept des Klarnamens genauer an.

Da ist mensch schon auf die Welt gekommen, ohne vorher gefragt worden zu sein,
ob er/sie/eichhörnchen nicht zufällig gerade was besseres vor hat und bekommt dann einen Namen. In der Regel den Familiennamen des Vaters und einen Vornamen, den einem die Eltern aussuchen. Dieser Name wird einem von außen aufgebappt, wie ein Aufkleber, der NICHTS über den tatsächlichen Inhalt aussagt. 
Die meisten Menschen identifizieren sich mit diesem Namen, einfach weil sie es nicht anders kennen oder weil es keinen Grund gibt der dagegen spricht.
Viele jedoch fühlen sich durch den ihnen aufgezwungenen Namen nicht richtig getroffen.
"Dieser Name beschreibt nicht, wer ich bin." "Ich bin XY, aber meine Freunde nennen mich Z."

Der angeblich so klare Name sagt also nichts darüber aus, wen mensch wirklich vor sich hat.

Zu allem Überfluss sind wir bis auf wenige Ausnahmen bis zum Ende unseres Lebens und darüber hinaus mit diesem Namen bezeichnet, nicht selten sogar stigmatisiert. Einer amtlichen Namensänderung stehen zahlreiche nicht zuletzt auch finanzielle Hürden im Weg, transsexuelle Menschen müssen sogar via Richter und Gutachter darum betteln und der Bureaukratie zu Kreuze kriechen, um ihren Namen gegen einen angemesseneren, sprich geschlechtskonformen Namen einzutauschen. Wir sind NICHT Besitzer unseres Namens, haben de facto so gut wie keine Verfügungsgewalt darüber.

Der Klarname dient also nur dazu, uns festzunageln, uns zu finden, egal ob wir wollen oder nicht.
Über uns als Mensch sagt er in den allermeisten Fällen überhaupt nichts aus.

Was sagt uns das über Leute, die (ob nun im Netz oder bei Wahlen) eine Klarnamenspflicht fordern?

Richtig. Denen geht es nicht darum, wer wir wirklich sind, sondern nur darum, uns finden zu können, um uns repressieren zu können. Wer sich nun wirklich hinter unserem Klarnamen verbirgt, ist ihnen also völlig gleichgültig. Denn solche Leute wollen nicht wissen, wer wir wirklich sind, in aller Regel geht es ihnen nur  darum, unsere ihnen nicht genehme Meinung durch Repression unterdrücken zu können.
Alle Bullshit-AllergikerInnen bitte einmal kräftig niesen.

Daher ist es für eine wirklich funktionierende Demokratie, für eine wirklich funktionierende Gesellschaft zwingend notwendig, die Namensmündigkeit einzuführen und als Menschenrecht anzuerkennen.
Genauso, wie mensch ab einem gewissen Alter wahlmündig und religionsmündig wird, in diesen Bereichen also ein Entscheidungsrecht hat, muss es auch möglich sein, den eigenen Namen anzupassen.

Daher fordere ich ein Recht auf Autonymmündigkeit!
Gebt uns die Macht über unsere Namen wieder, damit sie endlich für uns stehen, anstatt uns nur zu bezeichnen!

Und lasst diesen Quatsch mit der Klarnamenspflicht... das ist sowas von 1984...

Mittwoch, 22. Februar 2012

Vor nicht einmal zwei Wochen machte ich einen gar schröcklichen Fehler, ich kündigte an,
bei 150 Followern ein Blog zu eröffnen.

Jetzt ist es soweit, Ihr habt es scheinbar nicht anders gewollt.

Einhundertundfünfzigplus Frauen, Männer, Eichhörnchen und kleine grüne Wesen von Alpha Centauri bekommen jedesmal ein  PIEPS, wenn ich auf "Tweet" drücke und jetzt wollt Ihr meine Meinung auch noch in mehr als 140 Zeichen ertragen. Und das in solch turbulenten Zeiten.

Gauck wird zum Bundespräsidenten gekrönt, das Bankzinsenluder - Verzeihung - die Bundeskanzlerin tischt uns einen Whopper nach dem nächsten auf, Fefes Block blockt Fefe und die Piratenpartei (insbesondere mein "Lieblings"landesverband Berlin) haut sich intern gegenseitig nach Kräften die Hucke voll.

Da hab ich mir ja was eingebrockt... Na schön. Dann mach ich halt ein Blog.
(Lasst Euch nur nicht vom Titel irritieren, ich hatte niemals damit gerechnet, auch nur 50 geschweige denn 150 Follower zu bekommen und war daher ein wenig überrascht; in der Eile ist mir einfach nix dümmeres eingefallen.)


Wir schreiben also das Jahr 2012. Ziemlich weit weg vom Mittelalter könnte man meinen, doch der Anschein trügt.
Auch heute noch sind Menschenrechte etwas, was in der Republik lediglich einer großen Mehrheit zumindest weitestgehend und ebenfalls nur dem Anschein nach gewährt wird.
Aber um die Belange der Mehrheit geht es mir nicht.
Mir geht es um eine kleine Minderheit der Transsexuellen.

Jeder von Euch hat schon vieles über uns gehört, BILD und RTL2 schlagen sich alle paar Wochen wieder darum, wer die schrägste Transe gebasht hat und selbst die "Wissenschaft" erzählt Tag für Tag immer die selben Lügen über uns.
"Männer, die Glauben, eine Frau zu sein" (und umgekehrt), "Sie war mal ein Er" und etliche weitere solcher Unsinnigkeiten bekommt Ihr allenthalben zu lesen.
Sowohl Teile der Wissenschaft, als auch der Politiker und im Grunde sämtliche Medien verletzen tagtäglich unsere Menschenrechte und machen uns zu Menschen zweiter oder gar dritter Klasse.

Dieses Blog wird Teil meiner Versuche sein, diesen menschenverachtenden Wahn zu stoppen (was nicht heißt, dass ich nicht auch andere Themen bearbeiten werde, Transsexualität ist einfach nur mein MajorPlot).

Auf an's Werk!